Bericht über Arbeitstreffen:

Lundehundezucht im DCNH

Standortbestimmung und Gestaltung der Zukunft am 19.11.2011 in Karben.

Der Einladung des DCNH zu dem o.g. Treffen waren 19 Lundehund- züchter und -besitzer gefolgt. Mit einer so großen Zahl von Anmeldungen hätten wir nie gerechnet – das Interesse war riesig. Für den DCNH waren anwesend der 1. Vorsitzende Guido Schäfer, der Leiter des FB-Zucht Michael Schnupp und als unabhängige Beraterin Dr. Renate Winkler.


Die Anwesenheit folgender ausländischer Gäste sollte besondere Erwähnung finden: Als Vertreterinnen des Norwegischen Lundehund- Klubs waren Frau Hanna Gautun und Frau Ingvild Espelien aus Trondheim/Norwegen angereist. Aus Luxemburg waren Herr Erik-Stein Greter und seine Frau Bärbel anwesend.

Schon in seinen Begrüßungsworten wies Guido Schäfer darauf hin, dass die Situation der Lundehund-Zucht in Deutschland sowohl für die Züchter als auch für den Verein unbefriedigend sei.
Zur Erhaltung dieser bedrohten Rasse sei es notwendig, ein Zuchtprogramm zu erarbeiten und mit Unterstützung des VDH umzusetzen, welches zum einen der Seltenheit der Rasse Rechnung trüge, und zum anderen einen Beitrag zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Rasse leiste.
Er verwies auch auf die Dringlichkeit dieses Projekts vor dem Hintergrund, dass das sog. Lundehund-Syndrom bereits in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist und vernünftige Zuchtmaßnahmen daher dringend geboten seien.

Von besonderem Interesse für alle Anwesenden war der Vortrag von Frau Hanna Gautun, über den Stand der Lundehund-Zucht in Norwegen. Im Folgenden sind die wesentlichen Inhalte ihrer Ausführungen wiedergegeben:

 

Die Population der Lundehunde beträgt weltweit 1200 Tiere. 500 davon leben in Norwegen, weitere 500 in Europa und 200 in Amerika. Seit 20 Jahren stagniert die Anzahl der Lundehunde, dies ist sehr besorgniserregend.


Die effektive Zuchtpopulation der Lundehunde in Norwegen beträgt 30 männliche und 30 weibliche Tiere. Der Lundehund befindet sich auf der roten Liste der aussterbenden Arten.
Das Norwegian Genetic Resources Centre ist eine staatliche Einrichtung für den Erhalt bedrohter Haustierrassen. Diese Einrichtung unterstützt verantwortlich die Zuchtstrategie für die Lundehunde in Norwegen. Das oberste Ziel der Norwegischen Lundehundezucht ist daher der Erhalt der Rasse und die Förderung des Gesundheitszustandes der Hunde.
Das wesentliche Mittel um dieses Ziel zu erreichen ist die Schaffung einer möglichst breiten Zuchtbasis. Empfohlen werden ausschließlich Verpaarungen ,die über 5 Generationen einen IZK von < 3 % aufweisen. In Ausnahmefällen wird auch die einmalige Verpaarung bei einem IZK von höchstens 4 % unterstützt. Die Empfehlung zur Wurfwiederholung richtet sich nach der Zahl der bereits geborenen Welpen.
Der Zuchteinsatz eines Rüden wird beschränkt auf 18 Nachkommen, das sind 5% der Gesamtanzahl der Welpen der letzten 5 Jahre.
Die Abgabe von weiblichen Lundehund-Welpen erfolgt in Norwegen unter der Bedingung, daß die neuen Besitzer bereit sind die Hündin mindestens 1 x zur Zucht zu verwenden.
Obwohl es sich bei der Zuchtstrategie der Norweger ausschließlich um Empfehlungen und nicht um Vorschriften handelt, ist die Kooperation und Zuverlässigkeit der Züchter sehr hoch.

 

Das einzige Gesundheits-Problem, welches die Lundehunde haben ist die IL (Intenstinale Lymphangiektasie – anderer Begriff für Lundehund-Syndrom), diese stellt allerdings ein großes Problem dar. IL ist erblich, der Erbgang ist vermutlich polygenetisch und die Veranlagung zu IL liegt vermutlich in 100% der Lundehunde vor. Über die Häufigkeit von IL bei Lundehunden in Norwegen wird es in näherer Zukunft verlässlichere Angaben geben, z.Z. gibt es nur Schätzungen nach denen ca. 10–20 % der Lundehunde an IL erkranken. Ein auslösender Faktor für die Erkrankung ist psycho-physischer Stress.
Die Erkrankung kann insbesondere bei früher Diagnose gut behandelt werden. Wichtig ist eine fettarme und proteinreiche Diät, sowie zusätzliche Gaben von Vitaminen und Mineralien.
Die Erkrankung tritt selten vor dem 3. Lebensjahr auf. Es gibt Krankheitsverläufe mit nur einem einzigen Krankheitsschub und anschließender lebenslanger Beschwerdefreiheit und rezidivierende Verläufe. Hunde, die nach durchgemachter IL wieder beschwerdefrei sind dürfen zur Zucht zugelassen werden.
Bei Norwegischen Lundehunden sind keine klinischen Augenprobleme auffällig geworden. Eine Verpflichtung zur Augen-Untersuchung zur Zuchtzulassung besteht nicht. Gelegentlich wird bei Lundehunden eine nicht-progrediente punktförmige Katarakt festgestellt; ein Zuchteinsatz dieser Hunde ist mit einem katarakt-freien Partner erlaubt.

Die Ausführungen von Frau Gautun wurden lebhaft diskutiert. Das Vorgehen der Norweger fand insgesamt Zustimmung. Die Häufigkeit der Katarakt wird allerdings aus der deutschen Erfahrung heraus höher angesiedelt.
In der DCNH Datenbank sind 40 augensuchte Lundehunde verzeichnet, von denen bei 8 Hunden Katarakt diagnostiziert wurde.
2 Züchter berichteten von eigenen Erfahrungen mit Deckrüden aus Norwegen und Schweden , bei denen im Vorfeld Katarakt diagnostiziert wurde und die daher nicht zur Deckung verwendet werden konnten.
 
Anschließend gab Renate Winkler ergänzende Erläuterungen zum Lundehund (siehe nächster Artikel) und stellte das Programm zur Gesundheitsdatenerfassung sowie die dadurch ermöglichte Zuchtstrategie vor:
Die entscheidend wichtigen Fragen nach der Häufigkeit des Auftretens von Lundehundsyndrom, sowie nach der Schwere des Krankheitsbildes ist mangels verlässlicher Datenerhebung leider bis heute nicht geklärt.
Angesichts der Aufgabe Erhaltung einer seltenen Rasse mit nicht unbeträchtlichen gesundheitlichen Problemen ist es aber unerlässlich diese Daten zu erheben.
Daher sollten alle Besitzer von Lundehunden in Deutschland jährlich per e-mail zum Gesundheitszustand ihrer Hunde befragt werden. Die Züchter sollen dazu ein Aufklärungsblatt an die Hundebesitzer ausgeben, auf welchem diese ihr Einverständnis an der Teilnahme der Befragung erklären.
Die Daten werden mit voller Angabe der Identität erfragt, aber nur die statistische Auswertung soll an den Vorsitzenden und den FB-Leiter Zucht übermittelt werden. Sollte sich aus den Daten die Notwendigkeit zur wissenschaftlichen Analyse ergeben, können die Daten zur Auswertung an Prof. Distl's Institut oder eine andere wissenschaftliche Einrichtung weitergegeben werden.

Zur Zuchtstrategie: Der hohe Grad an Inzucht, der beim Wiederaufbau der Rasse unvermeidlich war, kann als der entscheidende verursachende Faktor des gehäuften Auftretens der Erkrankung angesehen werden. Bei dem schon erkennbaren sehr hohen Anteil betroffener Tiere, sowie angesichts des polygenetischen Erbganges sind zucht-selektive Maßnahmen nicht erfolgsversprechend. Die Strategie der Norweger durch breite Erhaltungszucht den Heterozygotiegrad der Tiere zu erhöhen und dadurch eine Verminderung der Erkrankungshäufigkeit und eine Reduktion der schweren Verläufe erreichen zu wollen, wird auch in Deutschland als der richtige Weg angesehen.

 

Weil aus diesem Grund jeder einzelne Zuchthund einen wichtigen Beitrag zur Erhaltungszucht liefern kann, sollte es Zuchtverbote bei Lundehunden nur in schweren Fällen geben.

Die Ausführungen von Frau Winkler wurden diskutiert und ihre Vorschläge fiaden insgesamt breite Zustimmung.
In diesem Kontext wurde auch die Katarakt-Problematik erläutert und diskutiert: die Katarakt scheint insgesamt bei Lundehunden kein seltener Befund zu sein. Es scheint aber so zu sein, dass es sich um kleine punktförmige Linsentrübungen handelt, die wenig Neigung zum Progress zeigen und nicht zur Erblindung führen.
Angesichts der extremen Lage der Lundehund-Population scheint es daher gerechtfertigt auch diese Hunde zur Zucht zu verwenden unter der Voraussetzung, daß durch regelmäßige Kontrollen, das Vorliegen einer progredienten Katarakt ausgeschlossen wird.

Insgesamt einigte man sich auf folgende Eckpunkte der Lundehundezucht:

  • Hunde nach durchgemachter Episode von IL können wenn sie klinisch gesund erscheinen zur Zucht eingesetzt werden.
  • Hunde mit nicht-progredienter Katarakt können unter der Bedingung regelmäßiger Kontroll-Untersuchungen und auch Untersuchungen der Nachzucht zu Zucht eingesetzt werden.
  • Der Inzucht-Koeffizient von < 3 % über 5 Generationen, soll in ähnlicher Weise auch in Deutschland gelten.
  • Die Erfassung der Gesundheitsdaten aller in Deutschland lebenden Lundehunde soll einmal jährlich per e-mail über die Hundebesitzer erfolgen. Mit der Erhebung der Daten wird Frau Dr. Winkler beauftragt. Die Weitergabe der Daten erfolgt ausschließlich in statistischer Form an den FB-Leiter Zucht sowie an den DCNH-Vorsitzenden

Anschließend befasste man sich mit dem Thema: Einrichtung des Amt „Rassebeauftragte(r) für Lundehunde“.
Guido Schäfer erläutert die Befugnisse eines Rasse-Beauftragten, der über die Änderung der rassespezifischen Anhänge mit Mehrheit der aktiven Züchter, erhebliche Einwirkungsmöglichkeiten auf die Zuchtbestimmungen der betr. Rasse hat. Der Wahlmodus mit Abstimmung durch die Lundehund-Besitzer und anschl. Ernennung des Rasse-Beauftragten durch den EVD wird erläutert.
Die Voraussetzung für eine Bewerbung zum Rasse-Beauftragten ist u.a. dass der Bewerber 4 Würfe der betreffenden Rasse in seinem DCNH-Zwinger aufgezogen haben muss. Diese Voraussetzung wird nur von wenigen Lundehund-Züchtern erfüllt.

Die geplanten Änderungen des Rassespezifischen Anhangs werden einvernehmlich besprochen. Der geänderte RSA soll schriftlich formuliert werden und dann nochmals zur Abstimmung vorgelegt werden, um dann dem VDH ebenfalls zur Zustimmung vorgelegt zu werden. Dieser letzte Schritt wird angesichts der weitreichenden, unorthodoxen Regelungen, die für den Erhalt der Lundehunde als richtig angesehen werden, für notwendig gehalten.

Als nächstes Thema folgte die Erläuterung und Diskussion der Mindestanforderungsordnung an die Haltung von Nordischen Hunden im Hinblick auf Freilauf-Zugang von der Wohnung über Treppe, Aufzucht der Welpen nur in der Wohnung.

Guido Schäfer erläutert die MAO, nach welcher vorgeschrieben ist, dass bei Hausaufzucht für die Welpen und die Mutterhündin ein ebenerdiger Zughang ins Freie vorgehalten werden müsse.
Es folgt eine engagierte Diskussion, in der auch die Meinung vertreten wird, dass die körperlich kleinen Lundehund-Welpen auch problemlos in einer Etagen-Wohnung mit Gartenbenutzung aufgezogen werden könnten.
Frau Rittweger gibt zu Bedenken, dass die gewünschte breite Zuchtverwendung von Hündinnen durch diese strengen Mindestanforderungs-Ordnung in Frage gestellt würde.
Da die MAO nur durch JHV geändert werden kann, wird die weitere Diskussion zunächst vertagt.

Schließlich wird noch das Thema „Doppel-Mitgliedschaft im DCNH und Lundehund e.V. angesprochen.
Guido Schäfer erläutert, dass grundsätzlich keine Bedenken gegen eine solche Doppel-Mitgliedschaft bestehen unter der Voraussetzung, dass die Satzung des Lundehund e.V. diesen eindeutig als Nicht-Zuchtverband kennzeichnet. Er erklärt, dass es vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung zwischen Lundehund e.V. und DCNH e.V. gebe.
Herr Schäfer und Frau Rittweger als Vorsitzende des Lundehund e.V. werden hierzu Details ausarbeiten.

Das Treffen endete am späten Nachmittag und hinterließ den Eindruck, dass die Beteiligten mit dem erreichten Konsens zufrieden waren!

Wie ging es weiter?
Inzwischen wurden die Änderungen der rassespezifischen Anhänge den abstimmungsberechtigten Züchtern vorgelegt in Details angepasst und im FB-Zucht abgestimmt. Der VDH wird nun über die Änderungen der RSA beraten. Die Erfassung der Daten wurde durch Versendung der entsprechenden Fragebögen bereits gestartet.
Für mich persönlich muss ich hier noch einmal deutlich sagen, dass meine Beteiligung an dem Projekt nur unter der Voraussetzung der lückenlosen Dokumentation der Gesundheitsdaten möglich ist.

Die Einsetzung eines Rasse-Beauftragten für die Lundehunde wird nun leider doch länger dauern als geplant. Nach Hinweisen auf bestehende Ordnungen entschloss sich der Vorstand, ungeachtet der Tatsache, dass alle Personen, die der Beschluss beträfe, anwesend bzw. informiert waren, die Position des Rasse-Beauftragten zunächst in den nächsten CN auszuschreiben. Die Vorstellung der Kandidaten kann damit erst im Mai 2012 erfolgen.

Renate Winkler