Der norwegische Lundehund Teil 6

 

Es sind so viele verschiedene Behandlungen veröffentlicht, die bisher alle erfolgreich waren, man muss nur Züchter fragen, die lange mit Lundehunden gearbeitet haben. Dabei hat sich gezeigt, dass es wichtig ist, dem Hund viel Zuwendung zu zeigen und ihm sein Essen halb- bis stündlich über den ganzen Tag verteilt nur teelöffelweise zu geben. Zugabe von Aminosäuren, wie sie von Sportlern für Muskelaufbau verwendet werden, und von Elektrolyten, um einer Beschädigung der inneren Organe entgegenzuwirken, können sehr hilfreich sein. Einige pumpen aus Unkenntnis den kranken Hund mit allen möglichen Medikamenten so voll, dass er wie eine Wanderapotheke herumläuft, und dadurch können u. U. Sekundärschäden oder -krankheiten auftreten. Wichtig ist, wenn der Hund anfängt mit chronischer oder periodischer Diarrhöe, Erbrechen, Appetitverlust, Schlappheit, Gewichtsverlust oder matten Augen und/oder schlechtem Fell, ist dies ein Warnsignal. Es muss nicht IL oder eine andere Magen-Darm- Krankheit sein, man sollte aber sofort anfangen Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

 

 

Norwegische Tierärzte empfehlen, erst dann den Bauchraum zu punktieren, wenn die Flüssigkeitsansammlung dort so groß ist, dass eine Selbstabsorption nicht mehr möglich ist. Wenn es um die allgemeine Ernährung geht, muss man sich überlegen, was für Futter bekamen die Hunde ursprünglich auf Værøy, nämlich im Wesentlichen Fisch, Geflügel und Kartoffeln, entweder als Mittagsreste oder am Strand selbstständig besorgt. Es ist deshalb besser, wenn Trockenfutter verwendet wird, dies aufzuweichen. Futter, das auf Säugetierbasis beruht, sollte nur ab und an gegeben werden. Stress kann ausbrechen, wenn der Hund Woche für Woche auf Ausstellungen geschleppt wird, dies gilt insbesondere für Ausstellungen in Hallen, wo der Lärmpegel sehr hoch sein kann.

 

Da der Hund menschliche Nähe braucht, ist es auch ein Stressfaktor, wenn er für viele Stunden alleine in einer kleinen Wohnung eingeschlossen sein muss, während der Besitzer oder die Besitzerin den ganzen Tag zur Arbeit weg ist.

 

Was mehrmals beobachtet wurde, ist dass, obwohl die Krankheiten genetisch bedingt sind, wenn ein Hund z.B. IL bekommt, kurz danach andere Hunde im Rudel auch krank werden. Möglicherweise ist der auslösende Faktor, dass der kranke Hund bei den anderen Stress verursacht, da bekannt ist, dass die Hunde sehr empfindsam Gemütsveränderungen registrieren und darauf reagieren.

Eine andere Krankheit, die man auch beim Lundehund findet, ist Katarakt, doch nur als Alterskatarakt. Bisher liegen nur Berichte vor, dass ein paar wenige Hunde Sehschwäche im hohen Alter bekommen haben, d. h. sie haben Alterskatarakt, der normalerweise erst auftritt, wenn sie älter als etwa 12 Jahre sind.

Da die Hunde sehr gut hören können, wenn sie wollen, kann es passieren dass sie sehr empfindlich gegenüber Knallerei (Silvester) und Gewitter sind. Eine Untersuchung an der Penn. State Univ. ist zu dem Ergebnis gekommen, wenn der Hund schon nervös geworden ist, sind so viele Stresshormone ausgeschüttet, dass ein Trösten wenig hilft. Nach deren Meinung hilft nur ein Mehrhundehaushalt, da dann der Grundlevel höher liegt und dadurch weit weniger Stresshormone ausgeschüttet werden. Dem Hund ein paar Tage vor Silvester Bachblütentropfen zu geben, hat sich als positiv erwiesen, um die Empfindlichkeit gegenüber Explosionsgeräuschen zu reduzieren.

© Greter, Stein - Erik & Bärbel Greter

Veröffentlichung:
Dieser Bericht wurde als Titelstory zusammen mit weiteren interessanten Informationen in den Clubnachrichten (CN) Ausgabe 1/2012 des DCNH veröffentlicht.

Weiterführende Literatur:
Espelien et al. „Norsk Lundehund", erscheint als Buch im Juli 2012 (zunächst nur auf Norwegisch).
„Rassekompendium Norsk Lundehund". Die deutsche Fassung erscheint demnächst beim NLK.
Ingvild S. Espelien: "Gesundheitszustand beim Lundehund" in www.lundehund.eu.
Eine Literaturliste ist beim Verfasser erhältlich.