Der norwegische Lundehund Teil 4

 

Er hat Muskeln in den Ohren um diese aktiv schließen zu können, so dass keine Erde oder Wasser hinein kommen können. Möglicherweise wurde durch verschiedene Stellungen der Ohrmuschel die Richtung zur „Beute" angepeilt. Eins ist jedenfalls sicher, heute wird das Verschließen der Ohrmuscheln häufig benutzt um Rufe nicht zu hören, so dass ein Gehorchen nicht erforderlich ist!

Noch eine anatomische Besonderheit ist, dass der Hund den Kopf so weit zurückbiegen kann, dass er den Rücken berührt (siehe auch Dingo oder New Guinea Singing Dog). Dies hatte den Vorteil dass der Hund in den Bruthöhlen sehr beweglich war.

Weiter ist zu erwähnen, dass bei den meisten Hunden die Prämolaren (=prämolaren Zähne, P1-P4) teilweise oder ganz fehlen. Weiter hat der Hund sehr viele Vibrissen (Schnurrhaare), das sind Tastrezeptoren, die sehr empfindlich sind, so dass sie auch auf Luftbewegungen reagieren. Diese waren für das Arbeiten in den Höhlen, wo es stockdunkel war, sehr wichtig.

Die Rüden haben eine Widerristhöhe von 35-38 cm und ein Gewicht bis zu 7 kg und die  Hündinnen von 32-35 cm bzw. bis zu 6 kg. Aufgrund geänderten Fütterungsverhaltens liegen die meisten Hunde heute an oder über dem oberen Grenzwert.

Für das Züchten empfiehlt der Zuchtbeirat des NLK einen Inzucht-koeffizienten von maximal 2-3 % in 5 Generationen. Wenn ausnahms-

weise mehr gewünscht wird, sollte man dies mit dem Beauftragten für Zucht besprechen. Mehr als 4 % ist nicht empfehlenswert. Wenn ein Wurf um die 3 bzw. 4 % hat, sollte der nächste Wurf um die 2 bzw. 0 % liegen. Daumenregel: In 4 Generationen, noch besser 5 Generationen, darf ein und derselbe Hund auf der Ahnentafel beider Zuchtpartner insgesamt nur einmal auftreten.

Zu dem Vogelfang ist nur kurz zu erwähnen, dass dieser auf dem Vogelfelsen oberhalb Måstad von oben nach unten verlief, denn vom Meer her war der Zugang fast unmöglich. Die Leute folgten den Hunden so weit wie möglich nach unten und brachten die Beute zum „matsteinen", einer Steinplatte, wo die Vögel getötet und ausgeweidet wurden. Da war nichts mit, ich zitiere „…gemütliches Plauderstündchen mit Kaffee-Kessel...". So etwas zu glauben ist Nationalromantik pur, in Bayern würde man sagen „ein Schmarrn"

 

Dass die Rasse über eine gewisse Intelligenz verfügt, wird durch folgende Beispiele deutlich. Eine läufige Hündin war in einem Metallkäfig mit der Türöffnung zur Wand. Aufgrund früherer schlechter Erfahrung war der senkrechte Stab, der die Tür schließt, mit einem Kabelbinder abgesichert.

Was macht der Rüde? Er dreht den Käfig, beißt den Kabelbinder ab, springt auf den Käfig, zieht den Metallstab hoch und macht die Tür auf. Ein anderes Beispiel, eine Herde Ziegen war auf fremdes Gelände gekommen, dann lief der Hund dorthin, sammelte alle Ziegen, jagte sie weg und kam nach getaner Arbeit wieder zurück. Drittes Beispiel, eine bekannte Züchterin war mit ihren Hunden im Gebirge im steilen Gelände und hatte sich den Fuß verstaucht. Um wieder zurück zu gelangen suchte der Hund mehrere Stunden lang Spalten und Absätze im Felsen, um die Frau gut wieder hinunter zu lotsen.

 

 

Über die Überlebensfähigkeit sagt nachfolgendes Beispiel viel aus, und zwar beim Lundehundtreffen auf Værøy in 2001 verschwand eine 9 Jahre alte Hündin im Gebirge auf dem Rückweg von Måstad. Nach 14 Tagen fand man die Hündin auf einer Schäre ca. 25 m vom Land entfernt, wo sie „angelte". Bei der anschließenden Untersuchung des Kotes fand man Muschelschalen und Seegras, d. h. sie hat sich die ganze Zeit selbst davon ernährt.

Warum kauft man einen Lundehund, was ist das Besondere an dieser Rasse? Der Hund ist extrem familienfreundlich, verspielt und Kinder liebt er wie kaum ein anderer Hund. Das Aggressionspotential gegenüber Menschen ist Null, und sie haben ein grenzenloses Vertrauen zu Menschen! Wenn Welpen „weggenommen" werden rechnet die Hündin damit, dass sie zurückgegeben werden, so dass keine Aggressivität zu spüren ist. Auch kann man den Napf während sie essen wegnehmen, ohne dass der Hund darauf aggressiv reagiert.

   

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