Der norwegische Lundehund Teil 3

 

Der erste sichere Bericht über den Lundehund auf Værøy stammt von Erik Hanssøn Schønnebøl (1535- 1595). Er war eine Zeitlang Vogt von Lofoten und Vesterålen und verfasste um 1591 eine kulturhistorische Beschreibung des Gebiets. In der Zeit von 1664-1666 bereiste der italienische Priester Francesco Negri (1624- 1698) Nord-Norwegen und Finnmark. Er beschrieb in vier von insgesamt acht Briefen (Viaggio settentrionale) Nord-Norwegen und erwähnte eine ihm unbekannte Hunderasse, wohl die Lundehunde. Der nächste, der über die Rasse schrieb, war der Pfarrer und Dichter Petter Dass (1647-1707), in seiner lyrisch-topografischen Beschreibung „Nordlands Trompet", angefangen in 1678, gedruckt in 1739. Darin schildert er in Versform wie Lundehunde die Papageientaucher aus ihren Bruthöhlen herausziehen. Erste deutsche Übersetzung „Die Trompete des Nordlandes", Lassarge, 1897. In der neueren Zeit wurde die Rasse in den 20er Jahren von Sigurd Skaun wiederentdeckt. Er schrieb einen Beitrag über die Lundehunde in der Mitgliederzeitschrift der norwegischen Jäger-und Anglervereinigung.

Kurz vor den 2. Weltkrieg wurde Frau Eleanor Christie auf diesen Beitrag aufmerksam und beschloss mit der Zucht anzufangen. Nach einer wechselvollen Geschichte, in der die Rasse zweimal durch Staupe fast ausgestorben wäre, wurde der „Norsk Lundehund Klubb" (NLK) 1962 gegründet.

Die treibenden Kräfte um die Rasse zu bewahren waren Sofie Schønheyder, die Geschwister Harbitz, Frimann Clausen og Roar Torsteinsen. Deren Arbeit und anderen Enthusiasten ist es zu verdanken, dass es 2011 weltweit etwa 1200 Lundehunde gab. Um an „back to the roots" zu erinnern findet das Jahrestreffen des norwegischen Clubs jedes vierte Jahr auf Værøy statt. Ende Juli 2012 feiert der NLK dort, über fünf Tage, sein 50-jähriges Jubiläum mit u. a. einer großen Ausstellung. Es werden mehr als 150 Lundehunde aus der ganzen Welt erwartet.

 

Der Lundehund ist der kleinste der nordischen Spitzhunde. Er hat einen fuchsähnlichen Körperbau und das Fell ist bräunlich und weiß mit schwarzen Haarspitzen. Die Augen sind etwas schräg gestellt, bernsteinfarbig mit einer dunklen Pupille. Die Beine können, im Gegensatz zu anderen Hunden, auch 90° seitlich bewegt werden, was den Vorteil hat, dass beim Klettern im Geröll und Felsen, der Abstand zwischen insbesondere beiden Vorderläufen variiert werden kann und die Trittfläche so gedreht werden kann, dass die Pfoten voll auf der Unterlage stehen, um besseren Halt zu gewährleisten.

Beim Laufen bewegen sich die Vorderläufe nicht nur in der Laufrichtung, sondern die Bewegung hat auch eine Querkomponente, so dass man den rassetypischen Gang als pendelnde, etwas nach außen kreisende Vorwärtsbewegung beschreiben kann. Prosektor (=Anatom) Engebretsen (Norges Veterinær Høyskole), der die Muskeln in den 60er Jahren untersucht hat, stellte fest dass die Muskeln an den Vorderläufen nicht nur Streck- und Biegemuskeln sind, sondern auch einen gewissen Rotationsanteil haben, was möglicherweise in Verbindung mit den überzähligen (inneren) Zehen (0 und 00) stehen könne. Diese Muskeln funktionieren ähnlich wie bei der Streck- und Drehbewegung der menschlichen Hand. Der Hund soll an den Vorderläufen mindestens 6 und an den Hinterläufen mindestens 5 Zehen haben, wobei die 5. Zehe mit Muskeln wie der menschliche Daumen ausgestattet ist, was auch beim Klettern ein großer Vorteil ist. Ansatzweise können auch weitere Zehen rudimentär vorkommen. Da er mehr Zehen hat, hat er auch eine andere, größere Trittfläche, was die Trittsicherheit erhöht.

 

 

 

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