Der norwegische Lundehund Teil 2

 

Aufgrund gewisser äußerlicher Ähnlichkeiten ist die Theorie dass der Lundehund und der Buhund vom Norrbotenspitz abstammen, bzw. dass alle drei denselben Ursprung haben, nicht unwahrscheinlich, da es sehr gut in das Ausbreitungsmuster der Hunde für Skandinavien passt. Inwieweit der Varangerhund oder der Senjahund in dieses Muster passen, ist im Augenblick nicht geklärt, außer dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Lundehund verwandt sind, sei es als Vorfahr oder Seitenlinie.

Jetzt sind wir beim Lundehund gelandet. Der gilt als Urhund, d.h. die Rasse hat sich irgendwann weit zurückliegend von einer anderen Rasse getrennt und hat sich seither nicht mit irgendeiner anderen Rasse vermischt. Da Canis ferus ein hypothetischer Urhund ist, der neben dem Wolf gelebt haben soll, ist die Behauptung, dass der Lundehund angeblich ein direkter Nachkomme des ersteren sei, haltlos. Da andere Hunderassen nur einzelne der anatomischen Besonderheiten aufweisen, aber nicht die Vielfalt, muss im Laufe der Zeit irgend etwas passiert sein. Es gibt dann vier Theorien, die dies erklären wollen.

Theorie 1. „Die Eiszeittheorie“, d. h. dass die Rasse älter als die letzte Eiszeit sei, widerspricht der zeitlichen Entwicklung des Hundes wie auch der genetischen Spur, so dass man diese als durchgefallen betrachten darf.

Theorie 2. Der Hund habe alle diese Merkmale bekommen, um durch Anpassung an die Arbeit weiter zu überleben („survival of the fittest“). Da dies eine langsame Entwicklung voraussetzt, und dafür reicht die Zeit nicht, erscheint dies auch nicht besonders wahrscheinlich.

Theorie 3. In einem Gespräch meinte der bekannte Entwicklungsbiologe Prof. Axel Meyer, Universität Konstanz, da alle Anomalien anatomischer Natur sind, deutet dies darauf hin, dass irgendwann eine gewaltige, dominante Genveränderung stattgefunden hat. Da einige der Besonderheiten auch bei anderen Rassen vorhanden sind, besteht die Möglichkeit, da nicht alle Veränderungen das Skelett betreffen, dass die Besonderheiten über eine oder mehrere dominante Genveränderungen verlaufen sind. Da diese Genveränderungen alle eine positive Auswirkung auf die Hunde hatten, bekamen diese viele Vorteile gegenüber den ursprünglichen Hunden und haben diese verdrängt, und dies im Laufe einer verhältnismäßig kurzen Zeit.

 

Theorie 4. Dies ist eine Kombination von Theorie 3 und 4 und besagt, dass aufgrund der genetisch bedingten anatomischen Veränderungen die Muskeln sich zwangsläufig verändern mussten, um optimal zu funktionieren, und sie haben sich mit der Zeit so geändert, wie der Hund nun heute ist. In der Natur ist es so, dass jedes System sich so lange weiterentwickelt, d. h. optimiert wird, bis der Kraftaufwand zur Erbringung einer bestimmten Leistung am geringsten ist.

Wann die Hunde nach Måstad, einer Ortschaft auf der südlich vom Lofoten Archipel gelegenen Insel Værøy, kamen ist nicht bekannt, man weiß nur, dass der Hund dort seit einigen hundert Jahren ungemischt lebte und dass diese Ortschaft als Ursprungsort der Rasse gilt. Auch an anderen Vogelfelsen auf Inseln entlang der Küste zwischen Trondheim und Tromsø wurden sie eingesetzt, um selbstständig die Lunde (Papageientaucher) und andere Eismeervogelarten, die dort im Felsengeröll brüteten, zu fangen. Diese Selbstständigkeit hat der Lundehund sich bis zum heutigen Tage bewahrt, er lässt sich ungern etwas vorschreiben wovon er nicht überzeugt ist, und dann helfen auch keine Leckereien, dann ist der Hund sturer als ein Esel. Aufgrund des Übergangs zu besseren Fangmethoden und des späteren Fangverbots verlor man auf Værøy das Interesse an der Rasse, dies umso mehr als die Hunde sonst auf der Insel als Kläffer galten und Måstadköter genannt wurden.

 

 

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